Gedichte

Höhe und Breite

Wenn du sitzt bis nachts, schreibst und Arbeiten erledigst, dann bist du wahrscheinlich ziemlich müde. Du weißt aber auch, dass du es für einen guten Zweck tust, damit andere es einfacher haben, die es ohnehin schon schwer haben. Und dann stellst du auf einmal fest, dass da jemand war, der just in diesem Moment an dich gedacht hat. Der dir eine Nachricht geschrieben hat. Um dich aufzubauen, zu ermutigen, dich in den Arm zu nehmen und einfach mal Danke zu sagen. Und du kannst nicht anders, als dich darüber so zu freuen, dass du zu Tränen gerührt bist und deinen himmlischen Vater für die Liebe lobpreist, die er durch deine Brüder und Schwestern an dir zeigt. Für die Liebe, mit der er dich wissen lässt, dass auch du ein wertvoller Mensch bist, der unendlich viel dafür tut, dass liebe Menschen es leichter haben und glücklich sein können.

Das ist gelebte Liebe – wenn es keine Worte mehr gibt, die die Höhe und Breite und Tiefe einfangen könnten. 

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Kennst du das?

Kennst du das? Dieser Moment, wenn du aus dem Fenster siehst und dich fragst, ob heute das Wetter genauso schön werden wird wie in den vergangenen Tagen, mit warmen Sonnenstrahlen und saftigem Grün der Wiese… Doch du stellst ernüchtert fest: es ist kalt, grau, regnerisch. Auch dieses Wetter hat seine schönen Seiten, das erkennst du wohl später.

Kennst du das? Du begegnest jemandem, sprichst das aus, was dein Gegenüber denkt, wahrnimmt, empfindet. Und plötzlich realisierst du, dass das etwas ist, dass du schon ewig vermisst hast. Ein beruhigendes Gefühl, dass jemand dich verstehen kann. Dass du jemanden einfach verstehen kannst. Manchmal eben auch ohne Worte… und dass dir das Zuhören, Ergänzen und der Gedankenaustausch Freude machen und dir Zufriedenheit schenken.

Doch kennst du das? Du schaust in das Fenster, siehst Blumen, Zeichnungen, Landschaften. Aber auch Erinnerungen. Und gelegentlich kommt dir dabei der Gedanke, dass die Zeit unaufhörlich ist, während sie verrinnt. Ein stetiger Wandel, von dem du noch nicht beurteilen kannst, ob er dir gefällt oder nicht.

Ungelebte, ja unmöglich gewordene Zukunft. Durch Missverständnisse, Fehler und Verlorenes. Ein gemischtes Gefühl.

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Die Hand

Ruhig lag sie da, diese grazile Hand, mit weiblicher Sanftheit und silberfarben lackierten Nägeln. Entspannt umschmiegte sie den Arm, der ihr so selbstverständlich Halt gab, als würde sie ihn schon ewig bei sich haben. Dabei hatten ihre eleganten Finger erst vor wenigen Tagen den gelb-grün-rosafarbenen Strauß jubelnd empor gestreckt, der das dekorative i-Tüpfelchen auf den Fotos dieses strahlenden Paares bildete. Sonnenschein, strahlend, fast so leuchtend wie ihre Gesichter. Der Himmel, so blau wie in den tiefsten Farbtöpfen. Stunden, die so schnell vergangen waren wie Sand in einer Uhr. Das Bewusstsein der endlich endenden Sehnsucht, das sich erst Schritt für Schritt einstellen würde. Vertraut umklammerte ihre Hand seinen starken Arm und verspürte dabei diese Ruhe, die sie so dringend brauchte. Ein einzigartig schönes Gefühl, die Liebe…

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Sie schaffen das

Sie vermissen sich. Sie necken sich. Sie besprechen sich. All das, was ausschlaggebend ist. Angleichend, Stein für Stein, Kante nach Kante. Manchmal wackelt es, und hin und wieder ruckelt ihr Bemühn. Nicht immer wartet die Sonne mit dem Untergehn. Doch sie schaffen das.

Sie beraten sich. Sie planen miteinander. Sie trösten sich. Sie freuen sich. Über die Zukunft. Über die Gegenwart. Wohl nicht über die Vielzahl der Planungen. Alles, fast alles, wird wohl recht perfekt. Der Rest lässt sich schleifen. Das wird dauern. Doch … sie schaffen das.

Sie schweigen, manchmal. Er sorgt sich. Sie grämt sich. Auch das kommt vor, durchaus. Hinein mischt sich die Gewissheit, ja das Vertrauen, dass alles gut wird. Mit Zielen. Fleiß. Mit Ausdauer. Geduld. Und vor allem – mit Achtung und ihrer Liebe zueinander. Denn sie werden es schaffen.

Beten. Anpacken. Machen. Erforschen. Tun. Studieren. Umsetzen. Verbessern. Handhaben. Wenn es einer schafft – dann seid ihr das.

Dessen bin ich mir sicher.

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Warum?

Ruhig. Vergänglich. Randvoll, mit Ideen. Hoffnungen. Zu denken getrauten Gedanken. Wahrnehmungen.

Wasser. Sein Rauschen. Wenig Licht. Die gelbe Beleuchtung des Schlosses auf der anderen Seite, sie spiegelt sich schemenhaft in der unsteten, dauerndem Wandel unterworfenen Oberfläche des Flusses. Bildet in ihrem gelben Strahl gleichsam eine Brücke. Eine Einladung, zu glauben und über das Wasser zu gehen.

Doch nur einen Augenblick später, schon verschwindet diese Brücke wieder in der Veränderung der Spiegelung, als wenn sie nie da gewesen wäre. Flackernde Streifen auf dem Wasser, sie erzählen eine wankende Melodie des Verlorenen. Monochrom und doch unterschiedlich ist die Leinwand, die sich beschreibt. Wohin führt die Reise?

Vor allem: Warum?
Warum nur.
Ohnmacht und ein Schweigen entsteht.

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