Er kam herein. Das Licht des Flurs schien in Spalten auf den dunklen Boden. Kein Ton war zu hören. Vorsichtig einen Fuß vor den anderen gesetzt. Leise setzte er sich auf die Kante. Soeben ging das Flurlicht aus. Nun war es fast dunkel. Dieser besondere Duft lag in der Luft, den er so gern roch. Die einsame Laterne schräg vor dem Fenster spendete ein allzu sparsames Licht. Er genoss die Stille. Armut an Sinnesreizen. Ein vollkommener Gegensatz zur Lautstärke, den er innerlich im Kopf hatte und mit der seine Gedanken sich mal verknoteten, mal entworren – in Sekundenschnelle. Ein Augenblick war lang und kurz zugleich.

Nun nahmen seine Ohren einen Ton wahr. Er lauschte. Etwas wie ein leises Rauschen. Langsam wendete er seinen Blick. Schemenhaft erkannte er die Silhouette eines Kopfes. Das Rauschen kam von dorther. Er neigte sich leicht nach vorne, um besser sehen zu können. Der beruhigende Geruch verstärkte sich. Er hörte nun deutlich das leise Atmen. Das Antlitz war ihm bekannt. Er ließ seinen Blick umherwandern. Wie sie auf dem Kissen lag. So friedlich. Und schön… Seine Gedanken waren verstummt. Die wohlige Ruhe ging auf ihn über. Ein leises Lächeln schlich auf sein Gesicht.


Konzentriert horchte sie auf. Ein Geräusch. Das Buch in ihrem Schoß hielt sie mit beiden Händen. Zum dritten Mal an diesem Abend saß sie so in ihrem Bett.

Doch wie das so ist: Zuvor hat sie geglaubt zu wissen, dass er es ist, jetzt wusste sie einfach, dass es so war.
Gerade passierte er die Haustür. Nun musste er im ersten Stockwerk sein. Schnell legte sie das Buch auf den Nachttisch, die Brille daneben, knipste das Licht aus und lag schon im Bett.
Stille und Dunkelheit legten sich wie wollene Decken über die Wohnung. Durch die Schlafzimmertür konnte sie sehen, wie die Laterne vor dem Flurfenster ein allzu sparsames Licht spendete.
Jetzt war er vor der Wohnungstür, raschelte mit den Schlüsseln.
Sie bemühte sich, ruhig zu atmen.
Der Schlüssel im Schloss.

Das Licht vom Treppenhaus ergoss sich in die Diele. Eine Silhouette zeichnete sich gegen diesen Heiligenschein ab – er.
Mit einem leisen Klick schloss die Tür.
Sie hörte ihn tief einatmen. Sein Kopf drehte sich – wahrscheinlich in ihre Richtung. Und obwohl ihr Herz aussetzte, stockte ihre Imitation von ruhigem Schlaf nicht den Bruchteil einer Sekunde.
Ohne das Licht als Kontrast, sah sie ihn nicht mehr. Dafür spürte sie ihn umso deutlicher. Sie hatte den Eindruck, dass er sich nicht mehr bewegt hätte, seit mindestens einer Minute.
Dann hörte sie das Tappen seiner Gummisohlen auf dem Laminat, die Badezimmertür ging auf. Ein Lichtschein auf dem Dielenboden.
Wasser.
Das Geräusch seiner Zahnbürste. Wasser.
Kein Licht mehr.

Bald war er im Schlafzimmer. Er hielt inne. Ein tiefer Atemzug, als inhaliere er etwas. Dann setzte er sich auf die Bettkante. Das Geräusch seiner Schuhe, die auf den Boden treffen. Die Gürtelschnalle. Und schon lag er im Bett. Neben ihr, in dem Glauben, dass sie schläft.
Noch ein paar Minuten trafen sich ihre hellen Gedankenstränge in der Dunkelheit. Dann war da nur noch das regelmäßige Atmen zweier Ruhender.