Er wachte auf. Ein leichtes Kitzeln an seinem Arm hatte ihn geweckt. Langsam schlich der Inhalt des soeben noch lebendigen Traums aus seinem Sinn, um der Wirklichkeit Platz zu machen. Vorsichtig – oh wie schwerfällig! – ein Auge geöffnet. Linke Hand zuhilfe genommen, dem Auge zu einer klaren Sicht zu verhelfen. Er musste herzhaft gähnen. Dabei trat ein Geruch in seine Nase. Lust darüber nachzudenken hatte er gerade nicht. Streifige Sonnenstrahlen schienen durch das Fenster. Müde gähnte drüben verschwommen die Laterne.

Das Kitzeln holte ihn ein. Das andere Auge auf die Stelle gerichtet, woher es zu kommen schien. Ein warmer Luftstrom erreichte dort seinen Arm. Er richtete seinen Blick etwas höher. In diesem Moment erinnerte er sich, was der Geruch bedeutete. Pfefferminzflash! Als er ihr Gesicht betrachtete, das so friedlich, so ruhig auf seiner Schulter lag, schlich unwillkürlich ein Lächeln auf seinen Mund. Keine Unterbrechung im gleichförmigen Rhythmus ihres Atmens. Keine Bewegung auf ihren Augenlidern. Ihr Haar schimmerte leicht golden im noch vorsichtigen Licht der aufgehenden Sonne.

Neugier beschlich ihn. Seinen Kopf leicht anhebend, drehte er ihn, um den Blick auf den Nachttisch zu richten. Die Uhr zeigte gerade auf die 8. Nun entdeckte er ein Buch. Eine Brille daneben. Als das Wort Leseratte sich prominent in seinem Sinn platzierte, verstärkte sich sein Lächeln zu einem tiefgehenden Gefühl. Er wagte nicht, sie zu wecken. Sanft strich er eine Strähne von ihrer schimmernden Wange.


Sonnenstrahlen kitzelten ihre Wangen. Ein kehliges Geräusch entfuhr ihr. Ganz vorsichtig blinzelte sie und schaute aus dem Fenster: Blauer Himmel, weiße Wolken, Blätter, die im Wind rauschten.

Langsam öffneten sich ihre Fäuste, sie streckte ihre Finger, als greife sie nach dem Tag, der da kommen würde. Ein Blick nach links – nichts. Nur sein Kissen, die zurückgeworfene Decke.
Ein Blick auf die Uhr: 8.30 Uhr.

Der Geruch von frischem Kaffee erreichte nun ihre Nase und ließ sie tief einatmen, tief seufzen. Ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Nun waren auch ihre Augen unwiderruflich offen.

Mit einem Ruck schwang sie sich aus dem Bett und stand eine Sekunde unsicher auf dem Bettvorleger. Gestern war es noch warm genug für die Shorts und das Top gewesen. Nun sehnte sie sich nach der Wärme ihres Liebsten.

Ein Griff nach der Brille. Ein Griff nach dem Türknauf – oder doch nicht.
Sie wandte sich zum Fenster, schaute auf die Straße, auf diese Menschen, diese Dinge, die nun vor ihr lagen. Beschwingt begab sie sich nun in die Küche, die Quelle des Wohlgeruchs.
Sie sah ihn. Dort. Am Tisch, das schwarze Buch in seinen Händen. Sein immer etwas überrascht wirkender Ausdruck, als er sie erblickte; sie barfuß in ihrem Pyjama ihm gegenüber, der den Tag schon begrüßt hatte. Jetzt war sie dran. Mit diesem Lächeln stand er auf. Kam auf sie zu. Gab ihr einen Kuss auf die Wange und legte seine Hand kurz in ihr Kreuz, wie jeden Morgen.

Wie jeden schönen Morgen.