Teil 1

Nun waren schon drei Tage vergangen, seit Finn Finn hieß, doch immer noch war er ganz stolz auf seinen Namen, der ihn als Wanderer und Weltreisenden auswies…

Finn war allerdings auch ein wenig traurig, und während er so in seinem Schächtelchen saß und Julia beim Spielen zusah, dachte er darüber nach, warum keiner seiner Freunde sich bei ihm gemeldet hatte. Dabei hatte er sie doch alle angeschrieben. Kleine Kullertränchen rollten über seine winzige Wange, als es – wie schon vor vier Tagen – an der Tür klingelte.

Sofort sprang Julia auf und lief zur Tür. Eilenden Schrittes kam ein Mann in einer blauen Uniform die Treppe heraufgelaufen. „Ich habe hier ein Telegramm für“ – und er las vor – „Finn Nordmeier. Wohnt der in diesem Haushalt?“, wollte der Zusteller wissen.

Während Tanja, die herbeigekommen war, schon antworten wollte, dass es hier keinen Finn Nordmeier gebe, fiel Julia ihr ins Wort, etwas, das sie eigentlich sonst nie tat. „Ja, Finn Nordmeier der wohnt hier. Soll ich ihm das Telegramm geben?“

„Vielen Dank dir!“, erwiderte der Telegramm-Zusteller, ihr das Telegramm in die Hand drückend. Und schon war er wieder verschwunden.

Als sie wieder in die Wohnung gegangen waren, fragte Tanja Julia: „Warum hast du dieses Telegramm angenommen? Ich kenne keinen Finn Nordmeier…“ Doch Julia antwortete bloß: „Dieses Telegramm kommt von einem Freund, der mich Finn nennt…“

Nun ging Julia in ihr Zimmer und zeigte das Telegramm dem immer noch traurigen Finn. Sofort erhellte sich sein Gesicht, als er sie bat: „Ach mach es doch auf und les es mir vor…“ Das ließ sich Julia nicht zweimal sagen, und öffnete vorsichtig den Umschlag. Sie fing an:

„Nachricht von Antonia stop Komm am Abend auf Schlossplatz stop Erwarten dich stop“. Der Wurm, der zugehört hatte, freute sich. Julia wollte wissen: „Wer ist Antonia?“ – „Antonia ist eine Pferde-Stute, die gehört zu meinen Freunden. Also haben sie mich doch nicht vergessen!“, und er strahlte über das ganze winzige Gesicht.

„Ich lade dich ein – komm doch mit heute Abend!“, sagte der Wurm nun zu Julia. Doch diese hatte zunächst Bedenken. „Was soll ich abends allein auf dem Schlossplatz – und vor allen Dingen: Wie soll ich da hinkommen?“

„Ach was uns fällt schon was ein – und außerdem bist du nicht allein. Meine Freunde und ich sind doch da… Ich würde nur zu gern wissen was die vorhaben.“ Also erwiderte Julia: „Nun gut, wenn du es sagst…“

Teil 2

An jenem Abend nun kamen Finn und Julia schließlich auf dem Schlossplatz an. So im Abendlicht betrachtet, erinnerte sich Julia daran, dass sie vor langer Zeit schon einmal abends auf diesem Platz gewesen war. Damals hatte sie mit ihren Eltern ein Konzert hier besucht, es war richtig laut und voller Menschen gewesen.

Doch nun lag der große Rasen vor ihr, und keine einzige Person war weit und breit zu sehen außer ihr selbst und dem kleinen Finn. Sie ging ein Stück auf den Platz, als sie ein kleines Holz-Hüttchen bemerkte, das ihre Aufmerksamkeit erregte. Finn fragte: „Wieso steht dort eine Hütte? Steht die da sonst auch?“ – „Nein, normalerweise ist der Platz leer“, antwortete Julia, während sie weiter auf die Hütte zuging.

Es war ruhig nun, die Autos der Straße fast nicht zu hören, und die Sonne schien mit ihren letzten Strahlen und war gerade dabei unterzugehen. Eine richtige Ruhe…

Doch plötzlich ging die Tür der Hütte auf und allerlei Tiere kamen herausgesprungen. Sie machten richtig Lärm, und trugen Girlanden und Luftballons. Julia erschrak zuerst ein wenig, und sah Finn an. Doch dieser erklärte: „Hey, das sind ja meine Freunde!“

„Hallo du da! Du musst Julia sein…“

Eine zarte Stimme sprach sie von hinten an. Als sie sich herumdrehte, stand eine große Pferdestute vor ihr. „Wer bist du?“, wollte Julia nun wissen. „Ich bin Antonia, ein Freund von Finn,“ stellte sich die Braune nun vor.

Nun wandte sie sich an den Wurm: „Herzlich willkommen Finn! Wir haben hier eine Überraschungsparty für dich organisiert! All deine Freunde sind gekommen – Edwin der Hai konnte leider nicht aus dem Wasser, aber er wartet an den Kaiserin-Annetta-Anlagen direkt hinter dem Schloss im Fluss…“

Finn strahlte bis über beide Ohren. „Das ist eine so schöne Idee…“ Er war ganz gerührt. „Dass ihr an mich gedacht habt…“ Antonia antwortete: „Wenn unser bester Freund einen Namen erhält, muss das doch gefeiert werden! Und du“, und damit wandte sie sich an Julia, „bist diejenige, die Finn seinen Namen gab. Du musst jetzt mal mitkommen…“, und stupste sie in die Richtung eines Podests.

„HIERMIT VERLEIHEN WIR DIR, JULIA, DIE EHRENURKUNDE EINES PRÊTE-NOMS.“, erklang es nun aus den Lautsprechern, die Julia bisher gar nicht bemerkt hatte. „Was ist ein Prête-Nom?“, fragte sie nun leise die Stute. Diese erklärte: „Ein Prête-Nom ist das französische Wort für Namensgeber…“

Und so wurde es noch ein schöner Abend, den Julia, Finn und seiner Freunde dort auf dem Schlossplatz verbrachten. Seine Freunde schenkten ihm einen Anzug, der so klein war, dass er Finn genau passte. „Den kann ich für Freitag gut gebrauchen. Ich darf doch mit auf den Ausflug?“, und schon sah er Julia fragend an.

„Aber nur wenn du brav bist, damit andere dich nicht sehen können“, erwiderte sie schmunzelnd.

Die Party verging wie im Fluge, und als sie zuhause ankamen, war Julia doch froh, wieder daheim zu sein nach all dem Trubel. So ging auch dieser Tag schließlich zu Ende, als sie erschöpft in ihr Kissen sank…